Geburtsjahr des Ferdinand Reiß

Ferdinand Reiß, Gutsherr am Hechtsberg

1837 01 Reiss Ferdinand 01

Gedenkstein an den Hausacher Seekapitän Reiß

Ferdinand Reiß (*1837 - +16.06.1905) war eine viel beachtete und um das Allgemeinwohl verdienstvolle Persönlichkeit. Nachdem sein Vater Isaak (Jaque) Reiß aus Frankfurt 1860 das landwirtschaftliche Anwesen am Hechtsberg zwischen Haslach und Hausach gekauft hatte, baute Ferdinand das Gehöft zu einem weithin bekannten Musterbetrieb aus. Er hatte Landwirtschaft an der Akademie Hohenheim und der König-Georg-August-Universität in Göttingen studiert. 

Als überzeugter praktizierender Protestant wurde er die Seele der neu gegründeten evangelischen Glaubensgemeinschaft im Mittleren Kinzigtal, deren erster Gottesdienst mit Abendmahl der Gengenbacher Pfarrer Carl Gräebener im Gutshof am ersten Advent 1866 auf dem Hechtsberg feierte. In der anschließenden Versammlung wählten die Gläubigen aus Haslach, Sulzbach und Hausach »in mündlicher Abstimmung« Ferdinand Reiß zum Vorsitzenden des Kirchenvorstandes. Zum Gottesdienst trafen sie sich zunächst weiterhin in seinem Hause.

Reiß förderte das Genossenschaftswesen und übernahm den Vorsitz beim »Landwirtschaftlichen Verein Wolfach«. Später gründete er in Karlsruhe die Gemeinschaft der »badischen landwirtschaftlichen Konsumvereine« und wurde deren »Verbandsdirektor«. Er leitete die »Zentralkasse der badischen landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossenschaften«, gehörte Jahre dem Badischen Landtag an und pflegte enge Kontakte zum großherzoglichen Hause. Seine Königliche Hoheit ernannte Reiß zum »Geheimen Kommerzienrat«. . . ;.

 

1837 02 Reiss

Aus der mit Pauline von Seutter geschlossenen Ehe gingen sechs Söhne und vier Töchter hervor. Sohn Rudolf Archibald erlangte als Kriminologe, als »Kommissar im weißen Mantel«, Weltgeltung, Fritz (Friedrich Maximilian) fand als Kapitän der »Wiesbaden« in der Seeschlacht im Skagerrak zusammen mit der Gorch Fock den Tod. Bedauerlicherweise wurde der Gedenkstein des Kapitäns zur See wohlwollend renoviert und mit einer "Maria" geschmückt. Ganz sicher nicht das Anliegen der protestantischen Familie Reiß. Ferdinand Emil starb beim Hereroaufstand im damaligen Südwest-Afrika.

Da keines seiner Kinder den Hechtsberger Gutshof mit der gepflegten und bekannten Parkanlage übernehmen wollte, verkaufte Reiß den Besitz an die Großherzogliche Domäne. Diese verwandelte das herrschaftliche Haus zunächst in ein Eisenbahner-Erholungsheim.

Der »Vater der evangelischen Kirchengemeinde von Haslach und Hausach« und »Wohltäter der Menschheit« Ferdinand Reiß starb am 16. Juni 1905 im Alter von 68 Jahren.

Text und Bild: Kurt Klein, Digit. Bearb.: Bernd Schmid